Dragon
Tagebuch


Den Jahresrückblick hab ich mal ganz elegant unter den Tisch fallen lassen, wie die treue Leserschaft sicherlich bemerkt hat.

Kommen wir zum Aufreger des Tages:
Ich bin krank. Logisch, werden sich die meisten denken, ist ja keine Neuheit. Ich meine damit nicht meine Beklopptheit, sondern ausnahmsweise mal meinen Körper. Ich habe einen Magen-Darm-Infekt (den hab ich mir bei meinem Sohn geholt, der sich schon auf dem Weg der Besserung befindet, so langsam). Die meisten wissen wohl, dass ich in einer Firma arbeite, die viel mit Lebensmitteln zu tun hat (ich produziere und verkaufe Hamburger, für alle, die mich nicht kennen). Daraus folgt, dass ich nicht arbeiten darf, wenn ich ansteckend bin. Hätte ich jetzt nur eine Erkältung, wäre mir das ziemlich egal, dann würde ich dem diensthabenden Schichtleiter sagen, er möchte mich bitte nicht in die Küche stellen, sondern dahin, wo ich weder Essen noch Gäste anfassen muss. Nebenbei bemerkt, das erste Erbrechen durfte eine Schichtleiterin und ein Kollege von mir mehr oder minder live miterleben. Aber ein Magen-Darm-Infekt ist was anderes, zumindest meiner Auffassung nach. Abgesehen von der Tatsache, dass ich mich strafbar mache, wenn ich mit einem solchen Infekt in die Nähe von zum Verkauf stehenden Lebensmitteln gerate, weil ich ja die lustige Belehrung zum Infektionsschutzgesetz beim Gesundheitsamt gemacht habe (und ja, ich habe die Langeweile bekämpft und zugehört). Soviel zur Ausgangssituation, die wohl recht plausibel klingt. Und dennoch führt sie unmittelbar zum Aufreger des Tages:
Ich erhielt vorhin einen Anruf vom stellvertretenden Filialleiter meiner Arbeits- und Ausbildungsstelle, wo ich mir vorwerfen lassen musste, dass ich krank bin. Er würde ja auch arbeiten gehen, wenn er ein bisschen Durchfall hätte. Auf meine Erklärung, dass ich nicht nur "ein bisschen Durchfall" habe, sondern mir auch die Nächte mit Erbrechen um die Ohren schlage, hat er so gut wie gar nicht reagiert und haut mir um die Ohren, dass ich ja in letzter Zeit nicht den Anforderungen entspreche, denen ein Azubi entsprechen sollte und dass ich mich gefälligst nicht beim Einkaufen erwischen lassen soll wenn ich krankgeschrieben bin (tut mir ja Leid, dass ich nicht viel was anderes als stilles Wasser zu mir nehmen darf und mir das erst noch besorgen muss). Er hätte den Eindruck, dass bei mir "die Luft ein wenig raus" sei und kündigte mir im Laufe der nächsten Woche ein Gespräch mit ihm und der Filialleiterin an.
Hallo? Jemand zu Hause? Ich gehe arbeiten, obwohl mein Sohn krank ist, ich verbringe regelmäßig mindestens zwei Stunden länger im Betrieb, als auf dem Plan steht (und das ohne eingestempelt zu sein, was mir den Versicherungsschutz nimmt), ich bin fast immer da, wenn man mich braucht. Wenn ich mal ganz lieb frage, ob ich nicht auch mal was haben darf, zum Beispiel einen freien Tag, wo ich meinen Freund zu Gesicht bekommen darf, werde ich schief angeschaut, frei nach dem Motto "Du hast keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben, sondern einen Sklavenvertrag. Selbst Schuld, Du hast kein Privatleben mehr."
Der nächste Witz:
Ich arbeite meist/immer auf der Spät- bzw Nachtschicht. Meine Ausbilderin, die darauf besteht, dass ich ausschließlich von ihr ausgebildet werde (ist ihr gutes Recht, hab ich auch nichts gegen einzuwenden), befindet sich aufgrund ihrer Verpflichtungen im Betrieb auf der Frühschicht (außer bei der Monatsinventur, die aber so zeitraubend ist, dass man keine Zeit für ein wirklich ausführliches Ausbildungsgespräch findet). Das heißt, ich bin quasi ein Azubi, der offiziell nichts lernt.
Und die Ausbildende, die ja Ausbilder ausbildet, um den Auszubildenden auszubilden, hat wohl nicht wirklich eine Ahnung davon. Nein, ich werde nicht petzen gehen, falls das jemand vermutet. Ich werde lieber zusehen, dass ich ein eigenes Auto oder sonst ein Gefährt finde, das ich bezahlen kann, und die Ausbildende und nebenbei Bezirksleiterin freundlich um meine Versetzung in einen anderen Betrieb der Kette bitten. Meinetwegen nach Mogendorf, wo auch mein Bruder arbeitet, von mir aus fahre ich auch mit einem Mofa bis nach Willroth oder Betzdorf, aber ich bin der Meinung, dass es in diesem Betrieb nicht mehr lange gutgeht. Und bevor ich eine Ausbildung abbreche, die ich wirklich machen will, wechsele ich lieber den Ausbilder. Ich sollte ja auch mindestens einmal im Rahmen der Ausbildung den Betrieb wechseln, dafür habe ich ja den Wisch zum Thema "Verbundausbildung" unterschrieben.
Also werde ich mich nächste Woche zu diesem Gespräch begeben und sehen, was passiert. Meine Berufsschulnoten sind und bleiben unumstritten gut, daraus kann mir keinen Strick drehen. Sonderlich faul bin ich im Betrieb wohl auch nicht, wenn ich auf dem Plan etwa 140 Stunden stehen habe und eine Dunkelziffer von etwa 165 Stunden ableiste (ich habe es aufgeschrieben).

Ich darf:
-am Tag arbeiten
-nachts arbeiten
-an jeder Station arbeiten
-länger bleiben (am Rande des Arbeitsrechtes)

Ich darf (offiziell) nicht:
-Kassen abrechnen
-den Computer anfassen
-mich im Büro aufhalten
-Fehler machen
-krank werden
-auch mal müde sein
-Mutter sein
-ein Privatleben haben

Zumindest kommt es mir so vor. Ich lasse mich gerne mit stichhaltigen Argumenten davon überzeugen, dass ich doch selbst Schuld daran bin und niemand sonst etwas dafür kann, dass ich mich nur ausschlafen kann, wenn ich bei Gibbon bin (ein oder zweimal im Monat).

Ende des Aufregers des Tages.
Ich werde mich nun wieder in die Horizontale begeben, weil das Fieber wohl wieder gestiegen ist.
14.4.07 17:03
 


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