Dragon
Tagebuch


Wieder da

Es gibt keinen Mammut-Eintrag. Ich hatte einfach keine Zeit, auch nur irgendwas am Notebook zu fabrizieren wegen Damian. Ich habe die ganze Woche damit zugebracht, ihm klarzumachen, dass nicht immer jemand springt, wenn ihm ein Furz quer sitzt (das kostet Nerven, ohne Witz jetzt).
War aber schön, gab viele Fotos (kommt gleich unten das ein oder andere) und viel Brei, mit Ruhe gefüttert. Manchmal war es echt eine Zerreißprobe. Wenn Damian schlafen sollte (tagsüber), hat er jedes Mal einen Abriss gemacht, als wollte ich ihn schlachten. Um ehrlich zu sein, ein paarmal standen mir selbst die Tränen in den Augen, wenn er so furchtbar geschrien hat, ohne eigentlich etwas zu haben. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich eine starke kleine Frau bin, die auch sowas durchhält.

Viel gibt es nicht zu berichten, außer, dass der Kinderladen in Mainz verdammt teuer ist. Wir waren ja dort, um den Gutschein zu verprassen, den Dennis' Freunde uns so gönnerhaft geschenkt haben. Gerade mal ein Hemd, eine Hose, eine Fliege und ein Body sind dabei rumgekommen (ich musste sogar noch drauflegen), und das lag mit Sicherheit nicht daran, dass die Gutscheinsumme gering gewesen wäre. Der Laden ist einfach teuer, es sei denn, die Sachen liegen monatelang dort rum und keiner will sie haben. Das Glück hatten wir natürlich nicht. Ein schnödes, weißes, dünnes Jäckchen für eine Taufe sollte 42,95 € kosten (und das ist von den Taufsachen noch mit das Günstigste)! Mal ganz im Ernst, so viel Geld gebe ich nicht einmal für mich aus...

Dennis ist nun weg, es hat wieder geschneit und deshalb ist er schon um acht statt um neun gefahren (der Streik des öffentlichen Dienstes war pure Berechnung). War schon ne schöne Woche, obwohl wir uns hier und da mal angepflaumt haben (ist aber keine Kunst wenn der Gnom auf einmal nachts um halb vier Hunger haben will), weil durch des Wurmes Schreierei die Nerven einfach blank lagen.
Soweit war es das dann auch schon von mir, ich werd noch eine Maschine Wäsche machen und mich dann selbst aufs Ohr legen, war anstrengend heute.




5.3.06 21:00


Ich vermisse mein Leben. Das ganz unkomplizierte, freie Leben. Ich konnte machen, was ich wollte, ich hatte eine Figur (die war hart erarbeitet), ich hätte haben können, wen ich wollte, meine Zeit wurde nur von der Arbeit beeinflusst. Und jetzt? Jetzt muss ich betteln, um ein klein wenig Zeit für mich zu haben. Für schlappe 30 Minuten muss ich meine Eltern bitten, auf Damian aufzupassen, und das, um etwa 1000m Luftlinie entfernt einen Kaffee zu trinken. Ich weiß nicht, ob mich jemand verstehen kann, ich kenne so wenig Leute, die absolut keine Kinder wollten und durch seltsame Umstände doch eines bekommen haben. Das heißt nicht, dass Damian mir nichts bedeutet, ganz im Gegenteil. Aber es ging alles doch ein wenig von jetzt auf gleich. Ich war plötzlich in der 22. Woche schwanger, ohne etwas gemerkt zu haben. Mein komplettes, heiß geliebtes Leben musste mit einem Mal umgestellt werden, die Ausbildung, die ich eigentlich schon in der Tasche hatte, ging für das letzte Jahr flöten und steht nun wackeliger zur Debatte, eben weil das Risiko da ist, dass ich des öfteren fehlen könnte, wenn Damian krank ist. Mir tut es ja irgendwie Leid, aber ich kann nicht plötzlich vom Kinderhasser zur Übermutter mutieren. Eine halbe Stunde am Tag sollte schon mir gehören, sonst drehe ich am Rad und bekomme das "Hamburger Elternsyndrom" (zu gut deutsch: Ich töte mein eigenes Kind oder misshandele es). Nicht, dass es schonmal vorgekommen wäre, um Himmels Willen, ich würde mir lieber die Hand abhacken, aber je nachdem steht man schonmal vor seinem schreienden Kind und bringt einiges an Selbstdisziplin auf, um nicht handgreiflich zu werden. Ich würde Damian nie wehtun, aber manchmal fliegt schonmal eins von seinen Kuscheltieren oder Tüchern durch die Gegend, einfach, um die sich aufstauende Aggression irgendwo auszulassen, aber eben nicht an meinem Kind. Ein klein wenig kann ich nachvollziehen, wie sich die Menschen fühlen, die ihre Kinder misshandeln. Ich verstehe allerdings nicht, wie man so die Kontrolle verlieren kann und tatsächlich die Bilder umsetzt, die einem für Sekundenbruchteile durch den Kopf gehen.

Wie gesagt, einerseits möchte ich Damian nicht missen, andererseits hätte ich gern mein altes, freies Leben zurück. Sicherlich werden einige Menschen mir vorwerfen, dass mein Sohn "sich freuen wird", wenn er das hier liest, aber meist sind das gerade die Menschen, die entweder gar kein Kind haben oder es von langer Hand geplant haben. Also an diese Leute grichtet: Lasst ihr mal euer Leben völlig unfreiwillig umkrempeln, ohne Vorwarnung, ohne etwas daran ändern zu können. Und dann erzählt mir nochmal, ich wäre eine schlechte Mutter. Ich gebe mein Bestes, und Damian scheint das genug zu sein. Also Ende der Diskussion für mich, ich denke, ich habe das Recht, mein Leben wiederhaben zu wollen.
11.3.06 00:37


So ganz bin ich noch nicht aus meinem Tief draußen, liegt wohl unter anderem daran, dass mich die wenigsten Menschen noch als Frau sehen, sondern nur noch als junge Mutter (man spricht mich ja auch fast nur noch mit "Mama" an). Morgen gibt es endlich ein paar freie Stunden mit meinem besten Freund Jens. Einer der wenigen Menschen, die mich noch als Frau, Freundin und Vertraute betrachten, und fast nebenbei als Mutter (Dennis betrachtet mich natürlich auch auf solche Weise, denke ich). Jens wird verstehen, was ich meine...

Ein Ex von mir (ich bin nicht sicher, ob er wollte, dass sein Name hier steht) sagte einmal, als wir noch zusammen waren, er vermisse seine Einsamkeit. Zu dem Zeitpunkt verstand ich das nicht, ich war zu sehr auf ihn fixiert (oder einfach nur darauf fixiert, nicht bei meinen Eltern sein zu müssen, vielleicht auch beides, ich kann es so genau nicht sagen). Mittlerweile habe ich verstanden, was er damit sagen wollte. Er war längere Zeit ohne Beziehung gewesen, und dann kam ich (durch sehr seltsame Umstände, wahrscheinlich noch nicht einmal von seiner Seite beabsichtigt) dazu. Sozusagen kam er zu einer Beziehung mit mir, wie ich zu Damian (also sehr plötzlich). Und dadurch, dass ich fast ständig bei ihm herumhing, änderte ich seinen Alltag, habe also in sein Leben eingegriffen. Es war nicht böswillig, aber ich habe es getan.
So in etwa könnte man auch meine Situation mit Damian sehen. Mit dem Unterschied, dass ich nicht einfach mit Damian Schluss machen kann, er ist nunmal mein Sohn und kein Freund im Sinne einer Beziehung zwischen zwei erwachsenen Menschen. Ich kann Damian nicht einfach abschieben (nein, dass heißt nicht direkt, dass eben erwähnter Ex mich abgeschoben hat), als wäre er eine Sache, die man schnell beendet hat.

Ich muss mich damit abfinden, nur noch selten allein sein zu dürfen. Leichter gesagt, als getan, wenn man "wie die Jungfrau zum Kinde kommt". Ein Kind ist nicht einfach an- und abzuschalten, wie man es braucht. Einem Freund könnte man sagen "Heute nicht, ich möchte mal allein sein...", aber erklär das mal einem Kind, das selbst noch nicht wirklich versteht, dass es überhaupt existiert. Sicher, wenn ich mal ein paar Stunden "frei" hatte und dann nach Hause komme, freue ich mich, Damian wiederzusehen. Es ist schließlich nicht so, dass ich meinen Sohn nicht lieb hätte, wie gesagt, im Gegenteil.
Trotzdem kam das alles viel zu plötzlich, und jetzt, wo der Hormonspiegel sich wieder normalisiert hat, merke ich erst, dass es manchmal doch zuviel ist.
Und wenn ich jetzt nicht schlafen gehe, wird mir morgen sogar mein kleines Stückchen Freiheit zuviel...
13.3.06 00:42


Mein lang ersehnter freier "Tag" (6 Stunden um genau zu sein) mit Jens fand gestern endlich statt. und bis zur vierten stunde hat er mich verdammt gut aufgeheitert. Sogar so sehr, dass ich mich zu einer kleinen Schauspielerei habe hinreißen lassen. Er erzählte mir, dass er nach langer Suche endlich eine Freundin hat, und ich tat so, als wäre ich beleidigt und würde gerade in diesyem moemnt erkennen, dass ich in meinen besten Freund verliebt wäre. Soweit, so unrealistisch, war aber spaßig.
Ein bisschen schade fand ich, dass er wahrscheinlich in ihre Nähe zieht, was Hannover und nahe Umgebung wäre... Alle laufen vor mir weg... Erst Sarah nach Trier, dann et Hähnsche mit Freundin an den Arsch der Welt und bald vielleicht Jens nach Hannover... Dann steh ich völlig allein da, es rafft ja sonst keiner, was ich von mir gebe.
Also noch immer kein Fortkommen aus meinem Tief...
14.3.06 21:25


Ich habe etwas gefunden, das mich aus meinem Tief herauszieht. Heute morgen um 9:15Uhr mitteleuropäischer Zeit (ich war gerade dabei, Damian anzuziehen) rief meine Mutter oben bei mir an und meinte, ich sollte seit 15 Minuten bei meinem Einstellungstest bei McDonalds Montabaur sein. Ich natürlich direkt losgefahren, nachdem ich Damian sicher bei meinen Eltern verwahrt hatte, und mich fürs zu spät Kommen entschuldigt, da ich ja nichts davon wusste.
Der Test, bestehend aus ein bisschen Mathe, Sozi, Kundenorientiertheit, Deutsch und Diskussionsrunde, zog sich hin bis etwa 13:30Uhr (der eigentliche Test) und dann war das große Warten angesagt, für mich und meine sechs Mitbewerber. Endlose 30 Minuten, bis einer nach dem anderen ins Chef-Büro gerufen wurde und sein Ergebnis mitgeteilt bekam... Wie der Teufel es wollte, wurde ich natürlich als Hinterletzte aufgerufen, nachdem ich vier strahlende und zwei traurige bzw. enttäuschte Gesichter sehen durfte.
Ich hatte das mit Abstand beste Ergebnis (ohne Witz, das hat man mir so gesagt) mit einem Schnitt von 1,7 und wurde angenommen. Im Juni/Juli werde ich also meinen Ausbildungsvertrag unterschreiben und habe somit wieder ein festes Ziel vor Augen.

Desweiteren könnte es eventuell sein, dass ich bald bei Novocaine zu hören sein könnte, wenn alles gut geht.

Ein schöner Tag heute, ganz allgemein gesprochen ein wirklich guter Tag. Ich freue mich, mir geht es wieder halbwegs gut.
15.3.06 22:16


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